Glaube

„Die Bibel hat keinen Platz für einen tyrannischen Anthropozentrismus, dem andere Geschöpfe gleichgültig sind“.1 – Papst Franziskus

In der Fastenzeit entscheiden sich viele Christen dafür, auf etwas zu verzichten, um mehr Zeit für Gebete und Einkehr zu haben. Durch dieses Opfern erinnern wir uns an das, was Jesus für uns geopfert hat, und hoffen dabei, Gott näher zu kommen. Es wird uns vor Augen geführt, dass alles Gute, das wir haben, einschließlich unserer Fülle an pflanzlichen Nahrungsmitteln, von ihm kommt. Warum also könnten Christen darüber nachdenken, sich in der Fastenzeit vegan zu ernähren?

Die Umwelt und globale Gerechtigkeit

Ein Thema, über das es wert ist, während der Fastenzeit nachzudenken, ist unsere Umwelt und unser gemeinsames Zuhause, der Planet Erde. Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits spürbar und werden immer schlimmer. Am stärksten betroffen sind die Millionen von Menschen, die tagtäglich Hunger leiden – die Ärmsten auf der Welt. Jesus lehrte uns, dass diese Menschen unsere Nächsten sind. Und doch trägt die Wahl unserer Ernährung vehement zur Klimakrise bei und verschlechtert damit die Lage insbesondere ärmerer Menschen. Die industrielle Tierhaltung ist verantwortlich für den Tod von Milliarden von Nutztieren jährlich und ist eine der größten vom Menschen geschaffenen Ursachen des Klimawandels; sie fördert Abholzung, Artenverlust, Umweltverschmutzung und Gesundheitsprobleme. Sich vegan zu ernähren, ist eine der effektivsten Maßnahmen, die jeder Einzelne ergreifen kann, um seinen CO2-Fußabdruck zu verringern. Unser christlicher Glaube kann dabei informierend und motivierend wirken. Könnte das etwas sein, worüber Sie in dieser Fastenzeit nachdenken?

Was wir auf unsere Teller legen, ist eine Sache des Glaubens. Es ist ein Weg für uns, Gnade und Dankbarkeit zu zeigen, als Antwort auf alles, was Gott uns gegeben hat, und die Liebe, die wir empfangen haben, mit Liebe zu vergelten.

Was würde Jesus heute über die Massentierhaltung sagen?

Was sagt die Bibel über den Verzehr von Fleisch?

In der Fastenzeit wollen Christen dem Herzen Gottes näher kommen. Und wir können in dieser Fastenzeit darüber nachdenken, was Gott vom Konsum von Tierprodukten hält und welche Gewalt damit einhergeht. Während die Interpretationen unterschiedlich sind, wird die Bibel durch den Veganismus geprägt. In der Schöpfungsgeschichte spricht Gott zu Adam und Eva: „Sehet da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamet, auf der ganzen Erde, und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise.“ (1. Mose 1.29). Mit diesen Worten trägt Gott den Menschen auf, pflanzliche Lebensmittel zu essen.

Und während Fleisch zu essen in Zeiten der Not erlaubt war, war das Quälen von Tieren schon immer verboten. Doch heute stammt fast das gesamte Fleisch, das in Deutschland konsumiert wird, von Tieren, die in der Massentierhaltung leiden.

Während die ganze Schöpfung jetzt leidet und sich nach ihrer Wiederherstellung sehnt (Römer 8), verspricht Gott, den Frieden zwischen allen Geschöpfen wiederherzustellen. In diesem neuen Himmel und auf dieser neuen Erde “…Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerzen wird mehr sein.“(Offenbarung 21)

Vor zweitausend Jahren machte sich niemand Sorgen über Klimawandel, Abholzung und Artenverlust, und es gab auch keine industrielle Massentierhaltung. Aber heute sind wir mit diesen ernsten und dringenden Problemen konfrontiert, und wir alle müssen darüber nachdenken, ob wir dieser Zerstörung mit unserem Handeln entgegentreten wollen.

Christliche Werte

Zu den in der Bibel gelehrten Werten gehören Freundlichkeit und Respekt, Großzügigkeit, Demut, Gewaltlosigkeit, Selbstbeherrschung und Mitgefühl (Galater 5.22-26). Christlichen Werten zu folgen bedeutet, Frieden, Güte und Mitgefühl anzustreben und Tierquälerei abzulehnen (Sprüche 12.10).

Diese zentralen christlichen Werte werden für viele durch kulturelle Normen verdeckt und außer Kraft gesetzt. Der Geschmack von Käse ist wertvoller geworden als das Kalb, das die Milch seiner Mutter trinken will. Die Verfügbarkeit billiger Eier ist wichtiger als die Tatsache, dass ein Vogel seine Flügel ausbreiten möchte.

Die Fastenzeit ist der perfekte Zeitpunkt, um sich bewusst zu machen, wie die Mahlzeiten, die wir essen, im Widerspruch zu unseren eigenen tief verwurzelten Werten und unserem Glauben stehen können. Wir alle haben die Möglichkeit unsere Werte und unsere Ernährung wieder zusammenzuführen und uns mit der Umstellung von Ernährungsgewohnheiten für eine bessere Welt einzusetzen.

Dankbar sein

Wenn wir uns zu Tisch begeben und uns nicht mehr für das Essen bedanken, das vor uns liegt, tun wir das unüberlegt? Machen wir uns überhaupt Gedanken darüber, was wir zu uns nehmen? Wenn wir das Fleisch eines Tieres verzehren, denken wir dann an die Angst, die dieses Tier gehabt haben könnte, und die Grausamkeiten, die es erlitten haben könnte? Fragen wir uns, ob es moralisch und notwendig ist, diese Art von Nahrung zu konsumieren, wenn Gott uns eine Fülle anderer Möglichkeiten gegeben hat? Für die meisten von uns lautet die Antwort “nein”.

Wenn wir Fleisch essen, sollten wir auch an unsere Brüder und Schwestern denken, deren Beruf es ist, diese Tiere fern unserer Blicke zu schlachten, damit wir uns nicht mit solch unangenehmen Dingen befassen müssen. Die daraus resultierende psychische Belastung eines Menschen sollte nicht unterschätzt werden. Die Arbeit in einem Schlachthof ist mit einer Vielzahl von psychischen Störungen verknüpft, darunter PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), PITS (Tätertrauma) und ein Anstieg der Kriminalitätsrate, einschließlich eines erhöhten Auftretens von häuslichem Missbrauch sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch. Viele mögen denken, dass dies ein Verrat an der Lehre Christi ist: „Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ (Lukas 6.31)

Eine vegane Ernährung ist ein effektiver Weg, um die Herrlichkeit und Pracht der Schöpfung Gottes zu bewahren, Güte zu zeigen sowie freundlich und rücksichtsvoll gegenüber allen Lebewesen zu sein.

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1 ‘Laudato Si’ Ch. 2: Humans must care for Creation and share its fruits — On care, Sabbath, relationship, life, & the common good’, Global Catholic Climate Movement, 16. August 2015 https://catholicclimatemovement.global/laudato-si-ch-2-commentary-by-fr-reese/

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