Gesundheit der Wirtschaft

Eine pflanzliche Wirtschaft ist eine florierende Wirtschaft

Vor Tausenden von Jahren bestand die Währung der frühen Menschheit aus Schafen, Kühen und Ziegen. Seitdem prägt Nutztierhaltung unsere Wirtschaft. Heute sehen wir jedoch, wie viel wirtschaftlicher Schaden die moderne Tierhaltung tatsächlich anrichtet. Eine auf Tierprodukten basierende Ernährung gefährdet unsere Gesundheit, schwächt unsere Erwerbsbevölkerung und kostet die Wirtschaft jedes Jahr Milliarden von Dollar. Die industrielle Tierhaltung führt zu gefährlichen Krankheiten und verstärkt global die Antibiotikaresistenz. Auch dies birgt einen hohen Preis. Die Kosten, die indes aus der Klimakrise resultieren – zu welcher die Nutztierhaltung erheblich beiträgt – gehen ins Unermessliche. Ist es angesichts der mit Fleisch, Milch und Eiern verbundenen astronomischen Kosten an der Zeit, zu einer auf Pflanzen basierenden Wirtschaft überzugehen?

Kranke Menschen – geschwächtes Arbeitskräftepotential

Der Verzehr von Tierprodukten ist mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfall, Diabetes, Fettleibigkeit und einigen Krebsarten verbunden. Dies sind die häufigsten Todesursachen in Deutschland, aber auch in den USA,1 auf die wir uns in diesem Artikel fokussieren werden. Sie verursachen nicht nur furchtbares Leid und nehmen uns unsere Liebsten vorzeitig weg, sondern kosten auch die Wirtschaft.

Ungefähr 92,1 Millionen amerikanische Erwachsene leben mit einer Form von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) oder den Nachwirkungen eines Schlaganfalls. Die direkten und indirekten Kosten der gesamten HKE und Schlaganfällen in den USA werden auf über 329,7 Milliarden US-Dollar geschätzt, sowohl bezüglich Gesundheitsausgaben als auch Produktivitätsverlusten.2

Schätzungsweise 23,4 Millionen oder 9,1 % der amerikanischen Erwachsenen leiden an Diabetes. Typ-2-Diabetes hängt mit dem Lebensstil zusammen und macht 95 % aller Fälle aus. Die American Diabetes Association schätzt, dass die Gesamtkosten von diagnostiziertem Diabetes für die Wirtschaft von 245 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf 327 Milliarden US-Dollar in 2017 gestiegen sind.3 Projektionen deuten darauf hin, dass dieser verheerende Trend weiter zunehmen wird.4

In Bezug auf Fettleibigkeit sind die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen in den USA bereits immens. In einer Studie des Milken Institute vom Oktober 2018 heißt es: „Die Auswirkungen von Fettleibigkeit und Übergewicht auf die US-Wirtschaft hat 1,7 Billionen Dollar überschritten; eine Summe, die 9,3 % des Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht.“5

Das muss nicht hingenommen werden. Jeder von uns hat die Macht, uns und unsere Lieben besser zu versorgen – sowie der Wirtschaft zu helfen – indem wir einfach Tierprodukte aus unserer Ernährung streichen. Veganerinnen und Veganer haben ein reduziertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit.

Die Kosten zur Gewährleistung einer sicheren Zukunft für unsere Kinder

Da Tiere in Massenproduktion gezüchtet werden, oft unter entsetzlichen Bedingungen, werden ihre Abwehrkräfte geschwächt und Infektionen verbreiten sich. Einige davon, wie die Schweinegrippe, die Vogelgrippe und SARS, können zwischen Arten wechseln und Menschen befallen oder sogar töten. Solche arten-übergreifende Krankheiten werden „Zoonosen“ genannt. Die 330 dokumentierten zoonotischen Vorfälle zwischen 1940 und 2004 bedrohten sowohl Leben als auch die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen schätzt, dass neu auftretende Krankheiten Amerika bereits mehr als 100 Milliarden Dollar gekostet haben, und wären sie zu Pandemien geworden, d. h. sich schneller und weiter ausgebreitet, hätten sie bis zu mehreren Billionen Dollar kosten können.6

Um zu versuchen, diese und andere Krankheiten zu bekämpfen, die in Tierfabriken weit verbreitet sind, werden nur allzu häufig Antibiotika eingesetzt. Ein solcher übermäßiger Gebrauch treibt die Antibiotikaresistenz an und führt dazu, dass neue, hochgefährliche „Superbugs“ auftreten. Bereits jetzt schätzt die Alliance for the Prudent Use of Antibiotics, eine gemeinnützige Organisation, die auf der ganzen Welt nach Antibiotikaresistenzen forscht, dass Antibiotikaresistenzen jährlich für zusätzliche Kosten für das amerikanische Gesundheitssystem in Höhe von mehr als 16 Milliarden US-Dollar verantwortlich sind.7 Die Kosten zur Entdeckung neuer und wirksamer Antibiotika können von niemandem berechnet werden, da wir nicht einmal wissen, ob dies möglich ist.

Die Tierhaltung ist nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN ein Hauptverursacher des Klimawandels und für 14,5 % aller vom Menschen verursachten Emissionen verantwortlich.8 Wir sehen bereits die Auswirkungen von rekordverdächtigen Stürmen, wütenden Waldbränden, Hitzewellen, steigendem Meeresspiegel, schmelzenden Eiskappen und verheerenden Überschwemmungen. Diese Ereignisse nehmen sowohl in Intensität als auch Häufigkeit zu. Tatsächlich hat die UN gewarnt, dass Klimakatastrophen bereits mit einer Rate von einer pro Woche auftreten.9

Die geschätzten Kosten für die Beibehaltung der globalen Temperaturen unterhalb der 1,5°C-Schwelle (um einen Zusammenbruch des Klimas zu verhindern),10 betragen in den nächsten 30 Jahren eine halbe Milliarde US-Doller. Sollten wir jedoch 1,5°C überschreiten, wird es ernst. Bei einem Anstieg um 3°C werden nach Angaben von Wissenschaftlern der Stanford University weltweit weitere 5–10 % des Bruttoinlandsprodukts an Kosten anfallen11 – das sind mehrere Billionen Dollar.12

Aber was ist mit Landwirten?

Wie wird sich die Umstellung auf pflanzliche Lebensmittel auf unsere Landwirte, ihre Arbeit und ihre Lebensweise auswirken?

Hier gibt es gute Neuigkeiten. Der Anbau von Obst, Gemüse, Blattgemüse und Kräutern ist der arbeitsintensivste aller landwirtschaftlichen Sektoren13 daher wird der Wechsel von Nutztierhaltung zum Gemüseanbau Tausende von Arbeitsplätzen schaffen.

Es wird auch die Böden und die Wasserversorgung, die bekanntlich die Grundlage der Landwirtschaft bilden, besser schützen. Da wir beim Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln viel mehr Kalorien aus viel weniger Land gewinnen können, müssten wir weniger Chemikalien verwenden, um die gleiche Menge an Lebensmitteln zu erhalten. Dies ist besser für die Bodenqualität und die biologische Vielfalt. Die Möglichkeit, mehr Land der Natur zu überlassen, wird auch unserem Klima zugutekommen, da der Boden viermal mehr Kohlenstoff speichert als Bäume.14 Und da bei der Herstellung von Fleisch und Milch viel mehr Wasser verbraucht wird, als Pflanzen benötigen,15 hilft die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung, den Wasserhaushalt zu schützen und die Versorgung unserer Landwirte jetzt und in Zukunft sicherzustellen. Alles gute Nachrichten für unsere Bauerngemeinschaft.

Viele Landwirte – darunter Howard Lyman, ein Viehzüchter in der vierten Generation aus Montana, Harold Brown, ein Rind- und Milchviehhalter aus Michigan, und Bob Comis, ein Schweine- und Schafzüchter aus dem Bundesstaat New York – haben den Pflanzenanbau umgestellt. Und da so viele weitere Landwirte Interesse an dieser Änderung bekunden, wurde das Rancher-Advocacy-Programm eingerichtet, um sie zu beraten und zu unterstützen.

Der Markt verändert sich auf jeden Fall. Amerikanische Verbraucher trinken weniger Kuhmilch, aber trotz der jahrzehntelangen Abwärtsbewegung16 erhalten Milchviehbetriebe weiterhin staatliche Unterstützung, was zu einer weiteren verschwenderischen Überproduktion führt und den Steuerzahler viel kostet. In 2015 hat die amerikanische Regierung allein dem US-amerikanischen Milchsektor direkte und indirekte Subventionen in Höhe von 22,2 Milliarden US-Dollar gewährt.17

In 2018 brachen die Milchverkäufe um 1,1 Mrd. USD ein18 und die Schlagzeilen verkündeten: „Amerika ertrinkt in Milch, die niemand will.“19 Der Markt für Pflanzenmilch wächst dagegen rasant und zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung.20 In den USA greift inzwischen fast die Hälfte aller Kunden zu pflanzlicher Milch. Weltweit wird der Wert der Branche auf 16 Mrd. USD geschätzt.21

Diese neuen, gesunden und nachhaltigen pflanzlichen Lebensmittel bieten unseren Landwirten und unserer gesamten Wirtschaft große Chance.

Die Zukunft ist pflanzlich

In der Welt der pflanzlichen Lebensmittel sind bereits unglaubliche Innovationen im Gange, die unserer Wirtschaft einen echten Schub geben.

Lebensmittelwissenschaftler untersuchen tierische Produkte auf molekularer Ebene und beschaffen Pflanzen mit passenden Proteinen und Nährstoffen, um köstliches Fleisch, Eier und Milchprodukte auf pflanzlicher Basis herzustellen. Dies sind Produkte, die wie tierische Produkte aussehen und schmecken, jedoch vollständig aus Pflanzen hergestellt werden.

Bill Gates hat erklärt, dass „Fleisch neu zubereiten ein Sektor des Lebensmittelsystems ist, der für Innovation und Wachstum reif ist.“ Er hat absolut Recht. Die Entwicklung und der Vertrieb dieser Produkte sind bereits profitabel. Nur zehn Jahre nach der Gründung wurde Beyond Meat mit 1,5 Mrd. USD bewertet, 22 wobei 2019 als „Blockbuster-Jahr“23 bezeichnet wurde. Und während die Wall Street glaubt, dass die Pflanzenprotein-Industrie, die derzeit in den USA einen Wert von 14 Mrd. USD hat, in den nächsten zehn Jahren auf 140 Mrd. USD wachsen könnte,24 rechnet Beyond Meat damit, dass sich ihr Wert fast verdoppeln wird.25

Produkte wie vegane Milch, Joghurt und Käse sowie vegane Eier, Fleisch und Fisch erleichtern den Verbrauchern den Umstieg auf pflanzliche Ernährung. Und Millionen tun das bereits. Einem aktuellen Bericht von The Economist zufolge gibt ein Viertel der 25- bis 34-jährigen Amerikaner an, vegetarisch oder vegan zu sein,26 während einer von drei amerikanischen Haushalten Pflanzenmilch27 und 12 % der Haushalte pflanzliches Fleisch kaufen.28

Die schnell wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln bietet ambitionierten Start-ups und etablierten Unternehmen enorme Chancen, sich zu diversifizieren, zu erweitern und zu gedeihen.

Es sind aufregende Zeiten. Pflanzliche Lebensmittel sind nicht nur besser für unsere Gesundheit und unseren Planeten, sie sind auch eine gute Nachricht für unsere Wirtschaft. Das nennen wir eine Win-Win-Win-Situation.

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