Ist es an der Zeit, Fleisch zu besteuern?

Beim Blick auf das Preisschild auf einer Fleischverpackung könnte man leicht glauben, dass es die Herstellungskosten des Produkts widerspiegelt, aber die tatsächlichen Kosten für tierische Produkte sind gewaltig, weitreichend und größtenteils versteckt. Dazu gehören unter anderem: die Kosten für unsere Gesundheit, ein Preis, der größtenteils vom öffentlichen Gesundheitswesen getragen wird; die Kosten für den Versuch, die weltweit tödlichen Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen zu verhindern und die Kosten für die immensen Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Umwelt.

Um diesen erheblichen, aber versteckten Kosten den Kampf anzusagen, schlagen Entscheidungsträger aus Politik und Wissenschaft sowie Think Tanks zunehmend die gleiche Lösung vor: Wir müssen eine Fleischsteuer einführen.

Eine solche Steuer ist nichts Neues.

In vielen Ländern werden Zucker, Alkohol und Tabak besteuert, um uns vom Konsum dieser schädlichen Produkte abzuhalten und unsere Gesundheit besser zu schützen.

Wir sind es gewohnt, dass die Regierung solche Steuern einführt, wenn es dringend notwendig ist, und es besteht kein Zweifel daran, dass das der Fall ist, wenn es um Fleisch geht.

Die Kosten für verarbeitetes und rotes Fleisch

Im Jahr 2015 wertete die Weltgesundheitsorganisation eine Reihe ausführlicher Studien aus uns stellte fest, dass verarbeitetes Fleisch Krebs verursacht und dass auch rotes Fleisch eine „wahrscheinliche“ Ursache von Krebs sein kann.

Während verarbeitetes rotes Fleisch weitgehend mit Darmkrebs in Verbindung gebracht wird, steht der Verzehr von rotem Fleisch über die empfohlene Menge hinaus – wie es in vielen wohlhabenderen Ländern der Fall ist – in direktem Zusammenhang mit Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes.

Untersuchungen im Vereinigten Königreich ergaben, dass – zur Deckung der Gesundheitskosten, die durch den Verzehr von rotem Fleisch entstehen – eine Steuer von 20 Prozent auf unverarbeitetes rotes Fleisch und eine Steuer von 110 Prozent auf verarbeitete Produkte in wohlhabenden Ländern (entsprechend niedrigere Steuern in weniger wohlhabenden Ländern) die Zahl der jährlichen Todesfälle um 220.000 senken und 170 Milliarden Dollar einbringen würde. Im Gesundheitswesen könnten außerdem 41 Milliarden Dollar jährlich eingespart werden. Kurz gesagt, der Preis für Speck und Würstchen würde sich verdoppeln, wenn man den gesundheitlichen Schaden, den sie beim Menschen anrichten, berücksichtigen würde.

Aber das ist immer noch nicht der wahre Preis von Fleisch.

Die Kosten für Antibiotikaresistenzen und artenübergreifende Infektionskrankheiten (Zoonosen)

Professor Tim Lang vom Centre of Food Policy und Professor Mike Rayner vom Department of Health Population der Oxford University schrieben, dass Fleisch nicht nur zur Belastung durch nicht ansteckende Krankheiten beiträgt, sondern auch eine treibende Kraft für Antibiotikaresistenzen ist.  Der Grund dafür ist, dass sogenannten Nutztieren beträchtliche Mengen an Antibiotika verabreicht werden, nur um sie für die wenigen Wochen oder Monate bis zu ihrer Schlachtung am Leben zu erhalten.

2018 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation Überwachungsdaten zur Antibiotikaresistenz, die eine „hohe“ Resistenz gegen eine Reihe schwerer bakterieller Infektionen, sowohl in Ländern mit hohem und als auch solchen mit niedrigem Einkommen, zeigten.

Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, sagte: „Wir stehen vor einer postantibiotischen Ära, in der viele ganz gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden können und auf einmal wieder tödlich sind“. Sie bezeichnete die Antibiotikaresistenz als einen „Slow-Motion-Tsunami“, wobei die Weltbank von der Schätzung ausgeht, dass die Antibiotikaresistenz die Weltwirtschaft nach 2030 jährlich eine Billionen Dollar kosten könnte.

Und dann gibt es noch Zoonosen – Infektionskrankheiten, die zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragbar sind.

Da mindestens 61 Prozent aller menschlichen Krankheitserreger von Tieren stammen ist es kein Wunder, dass die Food and Agriculture Organization sie als „eine große Bedrohung für die Gesellschaft“ bezeichnet. Zu den übertragbaren Krankheiten gehören Vogelgrippe, Milzbrand, Salmonellen und E. coli – die allesamt schreckliche Leiden verursachen und tödlich sein können – und deren Folgen sich ohne wirksame Antibiotika wahrscheinlich nur noch verschlimmern werden. Auch wenn nicht alle Zoonosen durch sogenannte Nutztieren übertragen werden, wurden die direkten Kosten von Zoonosen zwischen 2000 und 2012 auf mehr als 20 Milliarden Dollar geschätzt. Dazu kamen mehr als 200 Milliarden Dollar indirekte Verluste für die betroffenen Gesamtwirtschaften.

Die Kosten der industriellen Tierhaltung für die Umwelt

Und was ist mit den Kosten der industriellen Tierhaltung für unsere Umwelt? Wie lassen wir diese Kosten in den Preis einfließen, den wir für tierische Produkte an der Supermarktkasse zahlen?

Wir wissen mit Sicherheit, dass die Fleischindustrie der Umwelt schadet. Sie spielt eine Schlüsselrolle beim Klimawandel, da sie mehr Treibhausgasemissionen verursacht, als die Kraftstoff- und Treibstoffemissionen aller Autos, Flugzeuge, LKWs, Schiffe und Züge auf der Welt zusammen.

Wir wissen, dass die Fleischindustrie durch ihren unablässigen Bedarf an immer mehr Land eine entscheidende Rolle bei der Abholzung spielt. Und mit dem Verlust von Wäldern und anderen Lebensräumen verlieren wir ganze Tierpopulationen. Die Landwirtschaft wird als Hauptgrund dafür genannt, dass die Zahl der Wildtiere in den letzten 40 Jahren um 60 Prozent zurückgegangen ist. Der Schaden hierfür lässt sich noch nicht beziffern, aber die Kosten für die Wirtschaft, alleine durch die Abholzung, werden auf ungefähr 5 Billionen Dollar geschätzt.

Natürlich lässt sich der Wert einer Sache nicht ausschließlich in Zahlen bemessen. Es gibt keine sinnvolle Methode, den verheerenden Verlust von ursprünglicher Natur auf unserem Planeten zu beziffern, während unser Konsum von tierischen Produkten unzählige Arten an den Rand des Aussterbens bringt.

Lösungen zur Bekämpfung der hohen Kosten, die durch den Fleischkonsum entstehen

Obwohl diese Verluste nicht zu beziffern sind, wissen wir, dass es ganz einfache Wege gibt, wie jeder von uns helfen kann, sie zu bekämpfen. Eine  Reihe von Studien hat Forscher der University of Oxford zur Aussage bewegt, dass eine vegane Ernährung wahrscheinlich die „wichtigste Einzelmaßnahme ist, um unsere negativen Auswirkungen auf den Planeten Erde zu reduzieren, nicht nur in Bezug auf Treibhausgase, sondern auch in Bezug auf globale Versauerung, Eutrophierung, Bodennutzung und Wassernutzung.“

Aber wie ermutigen wir die Menschen dazu, den Weg zu einer pflanzlichen Ernährung einzuschlagen, zumal Gegner einer Fleischsteuer argumentieren, dass die ärmsten Familien und die Landwirte am stärksten davon betroffen wären?

Es ist zwar richtig, solche Bedenken vorzubringen, aber sie könnten ganz einfach ausgeräumt werden, wenn die Einnahmen aus der Steuer dazu verwendet würden, nachhaltige Lebensmittel zu subventionieren und die Bauern beim Übergang zu nachhaltigerer Landwirtschaft zu unterstützen. Landwirte sind schon seit langem in der Lage, sich anzupassen, um den Marktbewegungen gerecht zu werden. Es gibt immer mehr ehemalige Tierwirte, die auf den Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln umgestellt haben. Kein Landwirt braucht seine Lebensgrundlage zu verlieren. Veganer brauchen die Landwirtschaft genauso wie alle anderen Menschen auch.

Auch wenn wir in unserem Herzen wissen, dass die Reduzierung – oder besser gesagt das Weglassen – tierischer Produkte erhebliche und weitreichende Vorteile haben wird, scheint es, dass die meisten von uns trotzdem noch einen kleinen Schubs in die richtige Richtung brauchen.

Im Grunde genommen wussten wir, dass Plastiktüten schlecht für die Umwelt sind, aber wir nahmen sie immer noch mit nach Hause, bis eine kleine Gebühr für sie erhoben wurde. Drei Jahre nach Einführung dieser Abgabe war die Zahl der von großen Einzelhändlern ausgegebenen Einweg-Plastiktüten um 85 Prozent gesunken. Kurz gesagt, die Abgabe auf Plastiktüten funktioniert.

In zunehmendem Maße sehen Vordenker eine „Sündensteuer“ auf Rind-, Lamm- und Schweinefleisch als unvermeidlich an. Wir würden vorschlagen, noch weiter zu gehen, und alle Fleisch-, Milch- und Eierprodukte einzuschließen. Schließlich stehen Antibiotikaresistenz, Zoonosen und Herzerkrankungen nicht nur mit rotem Fleisch im Zusammenhang, und wenn es um die Verschmutzung von Flüssen geht, stehen allzu oft Milchviehbetriebe im Fokus.

Viele Menschen sind bereits davon überzeugt, dass hier staatliche Maßnahmen erforderlich sind. Rob Bailey vom Royal Institute of International Affairs sagt: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Fleischsteuer nicht innerhalb des nächsten Jahrzehnts eingeführt wird.“

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Zum Veganen Starterkit Petition

  1. World Health Organization, ‘Q&A on the carcinogenicity of red meat and processed meat’, October 2015 [https://www.who.int/features/qa/cancer-red-meat/en/]
  2. Damian Carrington, ‘Taxing red meat would save many lives, research shows’, The Guardian, 6 Nov 2018 [https://www.theguardian.com/environment/2018/nov/06/taxing-red-meat-would-save-many-lives-research-shows]
  3. lbid
  4. Sarah Knapton, ‘”Meat tax” which would almost double price of sausages should be brought in to save lives, say health experts’, The Telegraph, 6 Nov 2018 [https://www.telegraph.co.uk/science/2018/11/06/meat-tax-would-almost-double-price-sausages-should-brought-save/]
  5. Prof Tim Lang and Prof Mike Rayner, ‘A meat tax need not hit the poor’, The Guardian, 10 Jan 2019 [https://www.theguardian.com/environment/2019/jan/10/a-meat-tax-need-not-hit-the-poor]
  6. World Health Organization, ‘High levels of antibiotic resistance found worldwide, new data shows’, 29 Jan 2018 [https://www.who.int/mediacentre/news/releases/2018/antibiotic-resistance-found/en/]
  7. World Health Organization, ‘World Health Day 2011’, 6 April 2011 [https://www.who.int/mediacentre/news/statements/2011/whd_20110407/en/]
  8. World Health Organization, ‘WHO Director-General briefs UN on antimicrobial resistance’, 18 April 2016 [https://www.who.int/dg/speeches/2016/antimicrobial-resistance-un/en/]
  9. Madlen Davies, Callum Adams and Claire Newell, ‘The true cost of antibiotic resistance in Britain and around the world’, The Telegraph, 29 March 2018 [https://www.telegraph.co.uk/news/2018/03/26/almost-died-true-cost-antibiotic-resistance-britain-around-world/]
  10. World Health Organization, ‘Neglected zoonotic diseases’ [https://www.who.int/neglected_diseases/diseases/zoonoses/en/]
  11. Food and Agriculture Organization of the United Nations, ‘The monetary impact of zoonotic diseases on society’, 2018 [http://www.fao.org/3/i8968en/I8968EN.pdf]
  12. Clare Narrod, Jakob Zinsstag and Marites Tiongco, ‘A one health framework for estimating the economic cosy of zoonotic diseases on society’, Ecohealth. 2012 Jun; 9(2): 150-162.
  13. Damian Carrington, ‘Humanity has wiped out 60% of animal populations since 1970, report finds’, The Guardian, 30 Oct 2018 [https://www.theguardian.com/environment/2018/oct/30/humanity-wiped-out-animals-since-1970-major-report-finds]
  14. Matt Chorley, ‘$5,000,000,000,000: The cost each year of vanishing rainforest’, The Independent, 3 Oct 2010[https://www.independent.co.uk/environment/climate-change/5000000000000-the-cost-each-year-of-vanishing-rainforest-2096367.html]
  15. Damian Carrington, ‘Avoiding meat and dairy is the “single biggest way” to reduce your impact on Earth’, The Guardian, 31 May 2018 [https://www.theguardian.com/environment/2018/may/31/avoiding-meat-and-dairy-is-single-biggest-way-to-reduce-your-impact-on-earth]
  16. Rebecca Smithers, ‘England’s plastic bag usage drops by 85% since 5 charge introduced’, The Guardian, 30 Jul 2016 [https://www.theguardian.com/environment/2016/jul/30/england-plastic-bag-usage-drops-85-per-cent-since-5p-charged-introduced]
  17. Andrew Wasley, Fiona Harvey and Madlen Davies, ‘Serious farm pollution breaches rise in UK – and many go unprosecuted’, The Guardian, 21 Aug 2o17 [https://www.theguardian.com/environment/2017/aug/21/serious-farm-pollution-breaches-increase-many-go-unprosecuted]
  18. Damian Carrington, ‘Meat tax “inevitable” to beat climate and health crises, says report’, The Guardian, 11 Dec 2017 [https://www.theguardian.com/environment/2017/dec/11/meat-tax-inevitable-to-beat-climate-and-health-crises-says-report]

 

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